Nachgefragt bei Basil Kerski
Am 15. Januar 2026 hat Basil Kerski das Amt als Präsident der Stiftung Haus der Geschichte Nordrhein‑Westfalen offiziell übernommen. Kerski ist Politikwissenschaftler, Museums‑ und Kulturmanager sowie Publizist und war zuvor Direktor des Europäischen Solidarność‑Zentrums in Danzig, das unter seiner Leitung mit dem Museumspreis des Europarates ausgezeichnet wurde.
Mit seiner internationalen Erfahrung und seinem Engagement für die Vermittlung demokratischer Werte übernimmt er die Führung der Stiftung in einer entscheidenden Phase. In unserem Interview spricht er über seine Vision für das neue Haus der Geschichte NRW im Behrensbau, seine persönliche Verbindung zur Region und ihrer Geschichte sowie die Bedeutung von Vielfalt und Dialog.
Was für ein Ort soll das neue Haus der Geschichte NRW am Düsseldorfer Rheinufer werden?
Ein offener Ort. Der Behrensbau ist Chance und Herausforderung zugleich: Das Gebäude wurde ursprünglich nicht als Museum konzipiert. Mit seiner imposanten, fast majestätischen Fassade wirkt es eher wie ein Palazzo – kein Haus, das alle auf den ersten Blick einlädt. Mein Traum ist, dass Menschen zu uns kommen, weil sie sich hier mit Freunden treffen möchten, weil sie Inspiration suchen und weil sie diesen Raum als geschützt erleben. Wir brauchen Orte im öffentlichen Raum, an denen wir nicht nur konsumieren, sondern uns als aktive und mündige Bürgerinnen und Bürger begegnen.
Was reizt Sie an Ihrer neuen Aufgabe in Nordrhein-Westfalen?
Ich möchte diesen geschichtsträchtigen Bau zu einem offenen Ort der Demokratie entwickeln. Zudem reizt es mich persönlich, mit meiner Familie in eine Region gezogen zu sein, die ich bisher nur durch Besuche kenne – wo ich neu, aber nicht fremd bin. Auch die besondere Lage Düsseldorfs und Nordrhein-Westfalens im Herzen Westeuropas ist für mich sehr interessant. Ich freue mich auf den Austausch mit den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Frankreich. Für mich bedeutet die neue Aufgabe, in NRW verankert zu sein und zugleich den Blick über die Landesgrenzen hinaus auf die Bundesrepublik, Europa und die Welt zu richten.
Gibt es ein Objekt oder einen Ort in Nordrhein-Westfalen, der für Sie persönlich eine besondere Bedeutung hat?
Mich fasziniert der Rhein, in dessen unmittelbarer Nähe das Haus der Geschichte NRW entsteht. Wenn ich am Ufer stehe, frage ich mich, was hier vor Tausenden von Jahren gewesen ist. Hier spiegelt sich der Lebensfluss wider: Wie das vorbeiziehende Wasser befinden wir uns immer in diesem Durchzug von Vergangenheit und Zukunft. Eine Gegenwart scheint es kaum zu geben. Dieses Spannungsverhältnis ist an großen Flüssen, die seit Jahrhunderten Lebensadern ganzer Regionen sind, für mich besonders spürbar.
Welche Stimmen möchten Sie im Haus der Geschichte NRW zukünftig stärker einbinden und warum?
Mein Anspruch ist es, demokratische Werte und ihre Geschichte so zu vermitteln, dass sie möglichst viele Menschen erreichen – unter Berücksichtigung unterschiedlicher Generationen, Bildungshintergründe und regionaler Prägungen. Das bedeutet aber nicht, dass wir allen nach dem Mund reden. Die Herausforderung besteht darin, eine klare Linie zu verfolgen und zugleich die Kommunikation an verschiedene Zielgruppen anzupassen. Man muss mit jedem über dasselbe Thema auf unterschiedliche Weise sprechen können. Zentral dabei ist, die Distanz zu verkürzen: Die Menschen sollen spüren, dass das Haus der Geschichte NRW für sie persönlich relevant und interessant ist. Das MuseumMobil steht exemplarisch dafür.
Als jemand, der aus der Kommunikation kommt, frage ich mich stets: Für wen gestalte ich das? Was versteht und erlebt die andere Seite wirklich? Auf diese Weise wird die Erzählung des Hauses der Geschichte NRW künftig auch ein Spiegel des Prozesses, Vielfalt anzunehmen und diese erlebbar zu machen.